Köln/Hauptbahnhof. Der ganze Stress begann mit einem Japaner. Es ist überflüssig zu schreiben, dass ich Japaner mag. Japaner sind in der Regel freundliche und höfliche Menschen, sie verstehen eine Menge von Handies, Spielkonsolen und rohem Fisch. Wir Deutschen können eine Menge von ihnen lernen. Dummerweise kaufen Japaner auch Tickets bei der Deutschen Bahn. Das ist ein Problem.

Immer wenn ich an einem Schalter versuche ein Ticket zu lösen, ist vor mir ein Japaner dran. Zumindest gefühlt ist das so. Jedes Mal dauert es dann mindestens 40 Minuten, bis der betreffende mit einem Ticket vondannen zieht. Ich weiß nicht, was da in der Zwischenzeit alles besprochen wird. Es sieht immer sehr ernst aus. Japaner wollen, glaube ich, alles sehr genau wissen.

Jener heute hatte besonders viele Fragen. Im Grunde genommen war mein Eindruck, dass er den ganzen Fahrplan erklärt haben wollte. Lustig wäre es gewesen, der Fahrkarten-Verkäufer hätte ihm ein Verbindungsbuch auf Japanisch in die Hand gedrückt und hätte gesagt: “Read it yourself”. Stattdessen fragte der Mann hinter dem Schalter: “Frankfurt Main Station, Frankfurt Air Port, Frankfurt Hahn?”. Freilich war der Japaner verwirrt. Zumal der Verkäufer ein lausiges Englisch sprach. Womit wir beim eigentlichen Thema wären: dem Bahn-Denglisch.

Mein Zug hatte Verspätung, 30 Minuten, peanuts, kein Problem, auf meinem Platz saß ein schnarchender Opa, der nicht zu wecken war, kein Problem, der Zug war überfüllt, kein Problem. Das Problem begann erst, als der Zugchef den Lautsprecher anschaltete. Und informierte.

Hier sei eingeschoben, dass zwei Arten Zugchefs existieren. Es gibt den nüchternen, beflissenen. Er sagt die Stationen an, vielleicht noch ein paar Anschlusszüge, er entschuldigt sich für Verspätungen und verkauft einem Selbstmorde höflich, wenn auch euphemistisch, als “Personenschaden”. Die zweite Art ist der Witzpold-Zugschef. An so einen war ich nun geraten.

Der Lautsprecher knackte. “Herzlich WIllkommen im *knister* Intercity nach Hamburg Altona”, begann der Zugchef mit Hamburger Dialekt ganz harmlos, wenn auch in beachtlicher Lautstärke, während draußen ganz friedlich und leise das Rheinpanorama vorbeizog. Dann ging’s los: “Mein Name ist Kai-Uwe *knarks*, ich bin heute ihr ZUGCHEF (hier machte er eine bedeutungsschwere Pause) *knister* und begleite sie auf ihrer Reise nach *knarks*…”. Von da an ließ er einen nicht mehr in Ruhe. Es war die Hölle.

Kai-Uwe meldete sich vor jeder Station zu Wort, lautstark und immer mit einem flotten Spruch, es knarkste und knisterte. Er sagte jedes Mal, dass im Bord-Bistro “ein LECKER Stück Butterkuchen” auf einen warte, oder aber eine “herzhafte Currywurst” mit einem “SCHÖNEN” Brötchen. Außerdem sei die mobile “Bord-Bar” unterwegs in Wagen acht, auf dem Weg nach Wagen zehn, aber bestimmt auch bald in Wagen zwölf. “Warm-Getränke”, “Kalt-Getränke”, “Snacks” gebe es im “reichhaltigen” Angebot. Er sagte jeden Anschlusszug durch und garnierte die Ortsnamen mit Witzchen. Er vergaß zwei Mal den Lautsprecher auszuschalten, weswegen man ihn essen hörte – und scherzen mit den Kolleginnen. Und er sprach Englisch. Das war das Schlimmste.

Welkom on bord on si EI-CI-I to Hamborg, weia Hamm/Westfalen, Dortmund, Bremen… Eim the chief of the treen end answor ju questions. Ei wish ju e pleassent jurnei and sank ju for trewelling wis deutsche bohn“. Er sagte wirklich Deutsche Bohn. Das war fast schon wieder cool.

Ein Vorschlag zur Güte: Stellt Japaner als Ansager in den Zügen an. Und bezahlt sie mit einer BahnCard 100 und Streckenplänen auf Japanisch. Das würde Millionen Euro jährlich sparen und viele Menschen glücklich machen! Die Reisenden an Bord des EI-CI-I würden es ebenfalls danken! Und ich käme wieder pünktlich zu meinen Zügen.