Hauptbahnhof. Dunkles Jacket, gestreiftes Hemd, schwarzer Geschäftsreise-Trolley. Konzentriert hockt der Geschäftsmann in dem Café im Hauptbahnhof. Die Tasse Kaffee vor ihm rührt er kaum an. Er ist beschäftigt.

Er stickt.

Kreuzstich, Kreuzstich, noch einer, noch einer. Zwischendurch der Kontrollblick auf das Stickmuster, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Befestigt auf einem roten Klemmbrett. Normalerweise klemmen hier ein Geschäftsplan, Verkaufszahlen, Versicherungsscheine. Normalerweise rufen Leute in etwas feineren Anzügen ihm zu: “Herr Meier, das sieht aber gut aus in diesem Quartal”. Oder: “Na, na, Herr Meier, das können sie aberr besser!”. Aber in den fünfzehn Minuten bis zur nächsten Zugfahrt zählt für den Mann in dem Café nur das letzte Blatt auf dem Klemmbrett, das Stickmuster. Und die Nadel. Und das Stück Stoff, dass auf seinem Schoß liegt.

Schließlich ein letzter Kreuzstich, ein prüfender Blick auf das Muster. Die fertigen Abschnitte hakt der Mann auf dem Plan ab. Das Klemmbrett, Stück Stoff und Nadel verschwinden in dem Geschäftsreise-Trolley. Ein hastiger Schluck von dem lauwarmen Kaffee. Jacket übergeworfen, Schultern hochgezogen, weiter geht es. Herr Meier ist wieder da.