„Die Fahrkarten, bitte.“ Eine junge, dunkelhaarige Frau zückt ein Gerät und lässt sich von den Fahrgästen in der Straßenbahn, Linie 7, am Neumarkt die Fahrkarten zeigen. Eine andere Frau steht auf und geht zum Ende des Abteils, um ihr Ticket abzustempeln. Die Kontrolleurin folgt ihr. „Ich muss Sie um Ihren Personalausweis bitten“, sagt sie.
Die junge Frau ist verwirrt. „Aber ich hab doch gerade mein Ticket abgestempelt“, sagt sie. Die junge Kontrolleurin schüttelt den Kopf. „Nein. Sie haben sich zuerst hingesetzt, und als ich nach den Fahrausweisen fragte, erst da sind Sie aufgestanden.“ Die junge Frau versucht sich zu erklären. „Ja, ich hatte das vergessen.“ „Ich weiß“, sagt die Kontrolleurin schnippisch. „Deswegen brauche ich ja jetzt Ihre Personalien.“ Die junge Frau weigert sich, fühlt sich ungerecht behandelt. „Dann möchte ich aber meine 2,30 Euro zurück“, beschwert sich die Angesprochene. Darauf geht die Kontrolleurin gar nicht ein. „Ihre Personalien, bitte.“ Die junge Frau diskutiert weiter. „Aber ich wollte doch mein Ticket gerade abstempeln.“ „Ich habe Ihnen das bereits erklärt, bitte diskutieren Sie nicht mit mir.“ Die Kontrolleurin bleibt hart. Sie schüttelt energisch ihre schwarzen Locken. Es fehlt nur noch, dass sie ihre Hand in die Hüfte stemmt und den Zeigefinger hebt. Das macht sie tatsächlich.
Nach mehreren weiteren Versuchen, sich zu erklären, gibt die junge Frau nach und zückt ihren Personalausweis. „Ich möchte Ihren Namen wissen“, sagt sie. Die Kontrolleurin reißt ein Stück Papier von ihrem Block und gibt ihn der Schwarzfahrerin. „Da steht meine Personalnummer drauf“, sagt sie. Die junge Frau diskutiert jetzt mit ihrer Freundin über die Ungerechtigkeit der Kontrolleurin. Die beiden stehen auf, als die Kontrolleurin erneut vorbei kommt. „Wo steht hier Ihre Nummer und wie heißen Sie?“, wollen sie wissen. Die Kontrolleurin würdigt die Beiden keines Blickes. „Meine Nummer ist die 310, meinen Namen verrate ich Ihnen nicht“, sagt sie energisch. Sie kontrolliert noch weitere Fahrgäste, die Schwarzfahrerin und deren Freundin folgen ihr, stellen sie erneut zur Rede. Irgendwann steigen sie aus, offensichtlich immer noch wütend, so wie sie gestikulierend vor der Straßenbahn stehen und der Kontrolleurin immer wieder böse Blicke zuwerfen.
Eine Station weiter steigt auch die Kontrolleurin mit ihrer Partnerin aus. Die schwarz gelockte Kontrolleurin sagt augenrollend zu ihr: „Ich wette, die sitzen jetzt in der nächsten Bahn.“


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