Altstadt-Nord. Ich will in den Kiosk am Eigelsteintor eigentlich nur um abends noch schnell Zigaretten zu holen. Als ich die Bude betrete, mustert mich der Besitzer kurz und sagt dann: „Du siehst aus wie ´n Journalist.“ Ich stutze. „Bitte, was?“

„Du bist bestimmt ein Journalist“, wiederholt er. Ich bin baff. Ja, sage ich, stimmt. Ich will zumindest einer werden.

Aber woher weiß er das? Ich hatte noch nicht mal gesagt, was ich wollte, geschweige denn irgendwas gesagt. Er kennt mich auch nicht, ich sehe ihn zum ersten Mal. Normalerweise kauf ich bei einem anderen Kiosk ein.

 Ich frag ihn was er genau meint. „Keine Ahnung, deine Kleidung, dein Aussehen, wie du läufst. Ich hab ´n Gespür für sowas“, bekomm ich als Antwort zu hören. Echt beeindruckend. Mein Gang hat mich verraten. Und ich dachte immer, ich laufe……. Ja, wie laufe ich denn eigentlich? Jetzt weiß ich´s: journalistisch.

Wir reden noch ein bisschen: über seine Tochter, die Kriegsreporterin werden wollte („Weißt du, die war mal gegen Amerika und so“), über Irak, Afghanistan, das gute Amerika, das schlechte Amerika, Guantanamo Bay, böse Saddams und mehr.

Den Laden verlass ich um Papes, Filter, eine Packung gelben Drum-Tabak und eine Erkenntnis reicher: Mein Gang und ich sind Journalisten. Wenigstens einer, der´s merkt.