Autobahnauffahrt A3 Richtung Frankfurt/Bonn: Es ist Stau. Und was für einer. Nicht nur der übliche Feierabendverkehr, nein, es geht gar nix mehr. Ich fange an zu schimpfen. Schimpfen beim Autofahren macht Spaß und ist gut für die Rhetorik. Wer möchte schon eine Staustunde lang „Arschloch“ sagen? „Schieb deinen Asphaltbeleidiger von meiner linken Spur“ ist da schon anspruchsvoller.

Schade nur, dass auf der linken Spur der Auffahrt genauso wenig vorwärts geht, wie auf der rechten. Wenigstens scheint die Sonne. Bei offenem Fenster steht sich’s viel schöner im Stau. Wenn sich jetzt nicht ständig jemand von rechts nach links oder umgekehrt reinmogeln würde, weil er dort drei anstatt zwei km/h fahren kann.

Musik laut, Sonnenbrille auf, versuchen, gute Laune zu haben. Zwischendrin ein „Wenn du fertig bist mit Blinken, kannst du wieder Gas geben.“ Auf der A3 kommen noch drei weitere Stauspuren dazu. Noch 2,9km bis zum Dreieck Heumar. Da muss ich auf die A59. Rechts überholt mich die Polizei. Wahrscheinlich war wieder irgendjemand unfähig, gradeaus zu fahren und ist dem Vordermann drauf geknallt. Pro forma schimpfe ich auf den vermeintlichen Idioten, wegen dem ich hier stehe, krieche, bremse. Noch 2,3 km. Und ich komme nicht auf die anderen Spuren um bis zur Ausfahrt vor zu fahren. Langsam wirds auch zu warm. In einem Backofen im Stau zu stehen ist weniger schön.

Eine halbe Stunde später sehe ich die Auffahrt auf die 59. Die rechte Hälfte davon ist gesperrt. Zwei Polizeiwagen, eine gelbblinkende Polizeisperre, ein Feuerwehrwagen, zwei LKWs, die circa 200m auseinander stehen. Ich krieche auf der linken Spur mit Schrittgeschwindigkeit daran vorbei. Und schimpfe auf die Brummifahrer, die sich wohl wieder ein Elefantenrennen geliefert haben. Fordere innerhalb meines Autos das Überholverbot für LKWs. Überall rechts von mir wuseln Polizisten herum, eine Beamtin mit langen, blonden Haaren spricht in ein Funkgerät. Die Laster sehen ganz gut aus, es liegen nirgends Fahrzeugteile.

Super, für ein bisschen Blechschaden staut es sich seit der Zoobrücke. Ich stehe mittlerweile wieder. Und gucke nach rechts zwischen den beiden Lastern hin und her. Zwischen ihnen auf dem Boden liegt, etwa anderthalb Meter von meinem Auto entfernt, eine weiße Plastikplane. Ladung verloren? Auf meiner Spur bewegt sich immer noch nichts.

Aus der unförmig aufgetürmten weißen Plane schaut ein Arm heraus. Die Hand an dem Arm sieht aus, als wolle sie etwas kleines aufheben. Der Daumen zeigt zu den Fingerspitzen. Da wirds einem ganz anders. Ich schaue weg.