Altstadt-Nord, Eigelstein. Die Woche läuft schleppend an im Call-Shop am Eigelstein. Kein Kunde will telefonieren, niemand steht in den Kabinen und gestikuliert, niemand spricht. Dafür fragt der Inhaber freundlich: „Willstu ein Kaffee oder so? Ist Angebot“ Nein danke. Ich will Internet.
Also auf nach oben, durch das schmuckloses Treppenhaus in einen Raum mit gelb verputzte Wände. Fünfzehn Rechner warten, Flachbildschirm, Webcam, Kopfhörer. Das Mousepad ist an allen Rechnern gleich – ein Werbegeschenk von McDonalds zur Fußball-WM 2006. Auf vergilbten Zetteln an der Wand preist der Inhaber das Angebot des Call-Shops an: „Windows formatieren und Instaliren“ – „Fotos .1.euro“.
Über den Rechnern kleben Zahlen. Ich bin die 9. An der 6 sitzt ein Student, Baseball-Cap, sorgenvolle Mine, immer wieder der Blick in den Mail-Ordner. Wohnungssuche? Gegenüber an der 13 ein türkisches Pärchen. Er tippt wild auf der Tastatur, sie schmiegt sich an ihn, telefoniert mit dem silbernen Klapp-Handy am Ohr. Angerufen wird anscheinend eine arabische Frau mit Kopftuch, die in einem Fenster auf dem Monitor zu sehen ist. Hinter ihr eine Wand aus blauen Mosaiken. Ist das Izmir? Oder Köln-Mülheim? Gelsenkirchen? Oder Ankara? Die anderen Plätze sind leer. Die Woche läuft schleppend an.


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