Eine Zeitung in unleserlichen Buchstaben liegt auf einem Regal neben der Theke. Sie ist in Arabisch geschrieben. Ob sie einen Käufer findet? Darunter liegt eine englische Zeitung, „Herald Tribune“. Die Theke ist daneben, ungewöhnliche Gebäckstücke werden hier als „Indische Snacks“ angepriesen, direkt neben gewöhnlichen belegten Brötchen: Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im Kiosk von M.R. Djawa am Hansaring treffen sich die unterschiedlichsten Menschen.

„Einige Touristen wollen morgens eine Zeitung und können sich dann hier eine kaufen, andere wollen nur schnell etwas besorgen“, sagt er. Djawa hat schwarze Haare und dunkle Augen, er trägt eine weiße Schürze und hat einen deutlichen Akzent. Er kommt ursprünglich aus Indien. Um elf Uhr ist bei ihm nicht viel los. Nur sporadisch kommen Kunden. Es ist meist Laufkundschaft. Viele Touristen aus den anliegenden Hotels kaufen die ausländischen Zeitungen und Snacks. Der Kiosk hat wenige Stammkunden. Das läge daran, dass der Hansaring kein Wohngebiet sei, sagt Djawa. Die Kunden kämen zufällig. So wie drei Männer, die einen Kaffee trinken wollen. Einer nimmt noch einen Snack dazu. „Ess nicht so viel“, sagt der eine Mann zum anderen. Der interessante Imperativ fällt dem angesprochenen Mann nicht auf. Beide sehen müde aus, ihre Schuhe und ihre Overalls sind dreckig. Sie kommen offensichtlich von der Baustelle. „Ich ess nicht viel, das ist doch Knabberzeug, mein Gott“, erwidert der angesprochene Mann mit den kurzgeschorenen schwarzen Haaren und Tattoos auf den Unterarmen. Mit seinem Kaffee geht er hinter das Regal mit den Zeitschriften. An einem Stehtisch schüttet er Milch und Zucker in seinen Kaffee. Auf dem Tisch stehen Kunstblumen, es wirkt bemüht freundlich.

Im hinteren Raum des Kiosks sitzen vier Männer an einem Tisch. Links von ihnen stehen mehrere moderne Computern, das ist das Internetcafé Djawas. Seit August 2006 leitet Djawa sein Kiosk inklusive eines kleinen Ladens und des Internetcafés. „Ein Kiosk allein rentiert sich nicht“, sagt er. Gelegentlich geht er selbst ins Internet.

Der Radiosender WDR 3 war schon hier und hat eine Geschichte über einen österreichischen Verkaufsberater gedreht. Bei Djawa hatte das Erfolg. Der Verkaufsberater sagte ihm, er solle die Zeitschriften vor die Kasse stellen, nicht im hinteren Teil des Kiosks verstecken. Seitdem verkauft Djawa 50 Prozent mehr Zeitschriften. Die Kunden nehmen schneller mal Zeitungen mit, wenn sie zum Greifen nah sind. Die Vielfalt der Zeitungen ist das Erste, was beim Betreten des Kiosks in Auge sticht: Express, Süddeutsche, Zeit, Bravo, Glamour, Spiegel. Manche Menschen kommen alleine der Zeitungen wegen, so wie ein Mann, der zielstrebig auf das Regal zugeht. „Heute haben wir Ihre Zeitung leider nicht“, sagt Djawa. Ganz Geschäftsmann bietet er dem Stammkunden eine andere an. Das ist der Vorteil der großen Auswahl.

Es sieht so aus, als würdigten wenige Menschen diese Auswahl. Bei näherem Hinsehen wird klar: Die „Herald Tribune“ ist vom vorigen Tag.

Foto: Dank an mr.gears