Ich war fest davon überzeugt: Ich lebe in einer ordentlichen Wohngemeinschaft. Jeder folgt dem Putzplan, Bad und Küche, joa, doch, sind aus objektiven und männlichen Gesichtspunkten definitiv sauber, der Müll stapelt sich schon mal, aber wird weggeräumt. Leere Bierflaschen bleiben länger stehen, aber sie dienen auch der Erinnerung an feuchtfröhliche Abende. Fotos schmeißt man ja auch nicht weg.

Jetzt war das ganze Gebilde doch etwas aus dem Ruder geraten. Die Aufgaben der Schule drücken, die Abende sind mit Terminen belegt, andauernd ist einer der Mitbewohner weg. Gespült haben wir jetzt schon, hm, länger nicht mehr. Wenn, dann bedarfsorientiert: Wenn es Spaghetti gibt, werden ein Topf, ein Tellerm, Messer und Gabel gespült.

Gestern nahm ich mir dann mal ein Herz und einen großen Karton, brachte zwei Wochen Süddeutsche Zeitung plus Fertigpizzapackungen ins Altpapier. Und heute wurde gespült. Und: Ein Holzlöffel – war angeschimmelt. Das erste Mal, das schöne sichtbare, wuchernde Zeichen von Unordnung. Nix wie weg mit dem Ding, und viele gute Vorsätze fassen. Wobei: Vielleicht stelle ich ihn auch neben die Bierflaschen. Fotos schmeißt man ja auch nicht weg.