Früher schaute man Fußball-Europameisterschaften auf einem Fernseher, der so groß war wie eine Mikrowelle. Die Familie nahm Platz auf der Couch und lauschte Heribert Fassbender, der seine Zuschauer mit den Worten begrüßte: „Liebe Fußballfreunde an den Bildschirmen…“
Heute sagt Johannes B. Kerner: „Willkommen liebe Fußballfans an den Bildschirmen in Deutschland und an den zahlreichen Public-Viewing-Plätzen im ganzen Land, in Berlin, wo Tausende im Sony-Center ausharren, in Köln…“
Nichts gegen Public-Viewing. Es ist schön, wenn Menschen sich zusammentun, um Fußball zu schauen. Aber dass sich Hunderttausende Menschen – wie jetzt wieder bei der Fußball-EM – auf einer „Fanmeile“ zusammendrängeln und starren Genicks auf eine sonnenbestrahlte Leinwand starren, das ist schwer zu verstehen.
Erstens sieht man nix, weil mit Sicherheit irgendein Depp mit seiner Deutschlandfahne die Sicht verwedelt. Zweitens stehen unter Garantie blöde Leute um einen rum, die ebenfalls mit Deutschlandfahnen rumfuchteln und womöglich noch DEUTSCHLAND brüllen. Deshalb lautet die steile These dieses Texts: Fußball schaut man mit Freunden, der Familie oder im Stadion. Alles andere ist doof.
Das gilt übrigens auch und insbeondere für die Köln-Arena. Der Konkurrenz-Blog www.koeln-allgemein.de meldet dieser Tage voller Vorfreude : „Die anstehende Europameisterschaft ist für die Domstädter gerettet (!), denn mit der Erlaubnis zum Public Viewing um und in der Kölnarena steht den Feierlichkeiten nichts mehr im Weg.“ Dahinter steckt die ebenso gewagte These, dass die Fußball-EM richtig blöd geworden wäre, wenn es in der Köln-Arena (!) kein Public-Viewing gegeben hätte. Liebe Blogger-Freunde, meint ihr das Ernst?
Wer schlau ist, sucht sich Plätze, die „public“ sind und trotzdem „charmant“. So lässt sich geschickt Geselligkeit mit Fußball-Seh-Spaß verbinden. Ein Beispiel ist die nette Outdoor-Kneipe „Am Weiher“ im Blücherpark, wo auch in diesem Jahr wieder eine kleine Leinwand aufgebaut sein wird. Dort gibt es Bockwürstchen mit Senf, nette Menschen und keine Coca-Cola-Stände. Fallen euch noch andere Orte ein, wo es Spaß macht, EM zu schauen? Es wird langsam Zeit, sich Gedanken zu machen…



1 comment
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26. Mai 2008 um 6:00
Ariane
Ich gebe dir Recht, in einer kleinen Runde mit Freunden Fussball zu schauen, ist natürlich auch sehr gut, wenn nebenbei noch gegrilt wird, ist es ein gelungener Fussballabend. Aber nichts, aber auch gar nichts kann die Stimmung und die Euphorie beim Public Viewing toppen.
Ok, man sieht wirklich nicht immer, aber was man nicht sieht, bekommt ja durch die Stimmung mit. Wenn alle Oh schreien, ging der Ball wohl knapp am Tor vorbei, wenn alle JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA schreien war er drin. That’s public Viewing