Frieden, Liebe und ein bisschen Konsumismus
Köln. Neusser Straße. „Euromarkt“. Der Laden ist leer. Das kann natürlich daran liegen, dass es Montagmorgen ist, 11 Uhr. Oder aber weil nie jemand in diese Ein-Euro-Läden reingeht, um Gläser bedruckt mit den Helden der WM 2006 zu kaufen, oder Aschenbecher mit zu kleiner Aschfläche, so dass sie sich nur für Nichtraucher eignen. Oder gebrauchte Schwimmflossen und billige Lederjackenimitate. Oder Kartoffelchips aus Ländern, die ich weder politisch noch geografisch einwandfrei einordnen könnte. Meine absoluten Favoriten aber sind zwei Kaffeetassen. Eine Keramikherzhälfte ragt an jeder raus. Wenn man die Tassen zusammenstellt, verbinden sich die Hälften, man sieht das ganze Herz. Ware Liebe. Die Besitzerin denkt vermutlich, dass ich irgendwas klauen will.
Aber was? Seit einer halben Stunde schlendere ich durch die Gänge und finde nicht mal annähernd etwas Stehlens wertes. Wer würde hier was nehmen? Ich habe nur einmal in meinem Leben etwas in einem Ein-Euro-Laden gekauft: zwei DIN A5 Notizblöcke, mit armeeolivfarbenen Umschlag und dem Porträt des Che vorne drauf. Der comandante en jefe starrt in die Ferne, sein Blick auf der Suche nach der besseren Welt. Paz, amor y un poco de consumismo. Gibt’s in Kuba eigentlich Ein-Peso-Läden?
Foto: Dank an gynti_46


2 comments
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4. Juni 2008 um 12:10
chris
Hier bringt der Kapitalismus Ein-Euro-Läden hervor, die jeden Schund verkaufen. In unserer Überflussgesellschaft gibts selbst dafür Abnehmer; und Che drucken wir ja sowieso etwas romantisierend überall drauf, ob tshirts oder briefumschläge. Gleichzeitig fehlt es in Kuba am Notwendigsten; selbst Lederjackenimitate und billige Kartoffelchips wären vielleicht ganz willkommen. Insofern klingt das hier in meinen Ohren etwas zynisch. Allerdings versteh ich diese story eh nicht so ganz…
4. Juni 2008 um 5:09
Lilalaunebär
där tägscht isch luschtig. dangä.