Köln, Subbelrather Straße. 26 Waschmaschinen stehen in dem Waschsalon „Eco-Express” in der Subbelrather Straße, doch an diesem Morgen sind nur fünf von ihnen in Betrieb. Das Sonderangebot, 1,90 Euro pro Waschladung gilt nur bis 10 Uhr, deshalb sind jetzt, um halb elf, nur noch sehr wenige Kunden hier. Einen Querschnitt der Kunden des Waschcenters zu bilden, ist wohl unmöglich.

Das Mädchen mit dem Pferdeschwanz, das seine Wäsche in zwei großen Rucksäcken aus dem Waschsalon trägt, passt noch am ehesten in das Klischee des Waschcenter-Kunden, ebenso wie der junge Mann mit Kapuzenpullover und Jogginghose, höchstwahrscheinlich ein Student. Viel weniger passt die 50-jährige Frau mit der weißen Bluse und dem eleganten Blazer hier herein. Sie wirkt etwas unsicher, nur zögernd wirft sie ihr Geld in den Automaten. Offenbar zweifelt sie noch am System, doch wenige Minuten dreht sich auch ihre Wäsche in der Maschine. Tischdecken und Bettlaken, wahrscheinlich das, was zu Hause nicht in die Waschmaschine passte.

Ähnlich wie in Fahrstühlen scheint auch in Waschcentern ein absolutes Kommunikationsverbot zu herrschen. Obwohl alle, die sich hier aufhalten, irgendwie versuchen, sich die Zeit zu vertreiben, kommt es doch nicht zu den oberflächlichen Smalltalk-Gesprächen, die man erwarten würde. Ein junger Mann sitzt gebückt über seiner Zeitung, das Mädchen mit dem Pferdeschwanz schaut gebannt auf ihre Fingernägel. Dass immer mehr Waschsalons ihre Filialen zu kombinierten Waschcentern und Cafés umbauen, scheint hier unvorstellbar. Diese geradezu heilige Stille, nur durch das gleichmäßige Gurgeln und Brummen der Waschmaschinen unterbrochen, durch Gespräche zu stören, erscheint wie eine Sünde.

Plötzlich ist der Waschsalon für ein paar Minuten komplett menschenleer. Zurückbleiben eine Flasche Weichspüler und zwei Reisetaschen. Draußen regnet es in Strömen und der Verkehr rauscht über die Subbelrather Straße. Im Waschcenter drehen sich die Waschmaschinen weiter. Ununterbrochen, gleichmäßig, irgendwie friedlich, fast feierlich.