Glockengasse. Die perfekt geschminkten Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. Tomatenrot. Aber kein herzliches Lächeln, sondern nur so ein Mundwinkel-Nach-Obenziehen mit zusammengepressten Lippen. Perfekt nachgezogenen zusammengepressten Lippen selbstverständlich. Man erwartet ein „Was-kann-ich-für-sie-tun?“ aus diesen Lippen. Der Lidstrich akkurat nachgezogen, die Wimpern weit nach oben getuscht, klumpenfrei natürlich, so dass der Blick offen ist. Die schulterlangen Haare, honigblond würde die Werbung wohl sagen, fallen in einer sanften Auswärtsbewegung auf die Schultern. Keines tanzt aus der Reihe. Dunkelblauer Anzug. Die dezent manikürten Hände, nicht lang und mit Glitzersteinen wie bei den Verkäuferinnen bei Edeka, rücken hier ein Fläschchen zurecht, ziehen da an der Tischdecke, richten ihr türkisgoldenes Seidentuch, dass in einem X-gefaltet um den Hals liegt. Der Blick dabei aber immer auf die Tür gerichtet, immer ein „was-kann-ich-für-sie-tun?“ auf den Lippen. Kling-klong, die Türklingel geht.

„Was kann ich für Sie tun? “- es ist fast wie eine Erlösung. Ein ältere Dame mit fliederfarbenem Hut betritt den Kölnisch Wasser Laden in der Glockengasse. „Ich wollte mich nur mal eben umschauen“, sagt sie fast entschuldigend, als ob es ihr peinlich wäre, die Hilfe abzulehnen. „Selbstverständlich“, flötet die Verkäuferin und geht wieder zurück in Deckung hinter ihre Kasse. Ach nein, da hinten steht ein Fläschchen nicht ganz in der Reihe. Dass muss korrigiert werden. Den Rücken gebeugt, das eine Auge zugekniffen, mit Daumen und Zeigefinger schiebt sie die Verpackung zurück an den eigentlichen Ort.

Kling-klong. Eine Gruppe Amerikaner schiebt sich durch den Laden. „That’s gorgeous“. “It smells fantastic in here.” Jetzt ist endlich sie gefragt: “Can you help us?“ „Sure“, verzeiht sich der Mund nach oben. Kleine Fläschchen werden aufgedreht, Duftproben auf die Handgelenke aufgetragen, kleine Handtücher mit dem Kölnisch-Wasser-Logo vorgezeigt. “Yes, this is all really about 200 years old“, bestätigt die Verkäuferin und zeigt auf einen an der Wand hängenden Gobelin. Es zeigt, einen Soldaten, der die Zahl 4711 an die Wand malt. „Gorgeous, really gorgeous“, staunt ein dicklicher Herr mit einem Spazierstock. „Can’t we buy something for Aunt Margaret?“, fragt ein kleines Mädchen mit einer Hello Kitty Tasche.

Flink werden Düfte, kleine Duftproben in Geschenkpackungen, Seifen und Handtücher in eine kleine Plastiktüte mit dem golden-türkisem Logo eingepackt. Die Amerikaner verlassen den Raum mit drei vollen Tüten. Sie zwitschert ein letztes „Thank you“ . Stille. Als die Amerikaner den Verkaufraum verlassen haben, fährt sie hinter der Theke hervor, stellt neue Packungen auf, wo die verkauften eine Lücke hinterlassen haben. Wieder der prüfende Blick mit einem zugekniffenen Auge. So. Fertig. Noch einmal über den Blazer und die Haare gestrichen. Dann wieder in Warteposition hinter der Verkaufstheke: das „was-kann-ich-für-sie-tun“ Lächeln aufgesetzt für den nächsten Kunden.